Guizot

Guizot

Guizot (Gisoh), François Pierre Guillaume, geb. 4. Oct. 1787 zu Nismes, verlor 1794 seinen Vater, einen Advocaten, unter der Guillotine, studierte in Genf, kam 1806 nach Paris, trat als Schriftsteller u. öffentl. Lehrer auf, wurde Haupt der Doctrinärs (s. d.) und franz. Staatsminister. G. ist französ. Protestant und besitzt die ganze Nüchternheit, Einfachheit u. Gelehrsamkeit, welche seine französ. Glaubensgenossen in der Regel charakterisirt, nicht ohne die Beigabe einer gewissen sich fast pedantisch gebärdenden Ueberlegenheit. Mit der Restauration wurde er Ministerialsekretär und Censor, folgte dem Könige nach Gent, wurde unter dem Ministerium Decazes Staatsrath und stieg und fiel bis 1830 mit den sog. constitutionellen Ministerien. Als Deputirter gehörte er 1830 zu den 221, wurde aber offenbar durch die Julirevolution überrascht, trat jedoch alsbald in das Ministerium, das er aber im Novbr. wieder aufgab, als die poln. Revolution Louis Philippe zur Aufstellung eines liberaleren Ministeriums bewog. Vom Oct. 1832 bis Febr. 1836 war er Unterrichtsminister, wieder vom Septbr. 1836 bis April 1837, wo er in der Kammer eine Niederlage erlitt. Darauf trat er (inconsequent genug) der Coalition mit der Linken bei u. half das Ministerium Molé stürzen, wurde 1840 Gesandter in London, stürzte das Ministerium Thiers u. war von da an bis zur Februarrevolution die Seele des Ministeriums u. der Kammermajorität. Die Februarrevolution überraschte ihn ebenso sehr als die Julirevolution und kaum war er von der Anklage des Mißbrauchs der Amtsgewalt freigesprochen, als er auch schon wieder als Candidat für die republikan. Nationalversammlung auftrat aber durchfiel. Als Präsident Louis Napoleon seinem Ziele Schritt für Schritt näher rückte, schrieb G. seinen »Monk«, der eigentlich nichts anderes als eine Aufforderung an General Changarnier war, den schott. General nachahmend den Präsidenten u. die Gesetzgebende Versammlung zu stürzen u. Heinrich V. als König auszurufen. Louis Napoleon machte aber allen legitimistisch-orleanistischen Combinationen durch den 2. Dezbr. ein Ende u. seitdem hat sich G. wieder zu seinen Büchern zurückgezogen, kaum daß er halbleise in dem Blatte Assemblée nationale schmollt od. schmollen darf. Schriften: »Nouveau dictionnaire universel des synonymes de la langue française« 1809: »Vie des poëtes français du siècle de Louis XIV.« 1813; »Histoire des origines du gouvernement représentatif« 1820: »Histoire de la révolution de lʼAngleterre« 1826: »Histoire de la civilisation en France« 1828: »Histoire générale de la civilisation en Europe« 1828: »Vie, correspondance et écrits de Washington« 1840; »Histoire de la république dʼAngleterre et de Cromwell« 1854: außerdem leitete G. polit. u. wissenschaftl. Zeitschriften, schrieb von 1816 fast über jede Tagesfrage der französ. inneren Politik ein Pamphlet, gründete und leitete die Collection des mémoires relatifs à lʼhistoire de France u. die Collection des mémoires relatifs à lʼhistoire de la révolution dʼAngleterre, so daß sein Fleiß u. seine Ausdauer Staunen erregen müssen. – Seine erste Frau, Elis. Charlotte de Meulan, geb. 1773, gest. 1827, sowie seine zweite, Elisa Dillon, geb. 1804, gest. 1833, waren Jugendschriftstellerinen.


http://www.zeno.org/Herder-1854.

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