Borromäus

Borromäus

Borromäus, Karl (Borromeo Carlo), St., geb. in Arona 1538, als zweiter Sohn für den geistlichen Stand bestimmt trug er vom 12. Jahre an Tonsur und klerikalische Kleidung u. verwendete den Ertrag einer Pfründe für die Armen. Seit 1554 Student in Pavia gründete er mit Hilfe einer zweiten Pfründe eine Stiftung für arme Studierende und erhielt 1559 den Doctorhut. 1559 wurde sein Onkel, Cardinal von Medicis, als Pius IV. Papst, B. aber 1560 gegen seinen Willen nach einander apostol. Protonotar, Referendar, Cardinaldiacon und Erzbischof in Mailand mit der Verbindlichkeit, in Rom zu bleiben und einen Generalvicar für Mailand zu bestellen. 1562 wurde er Priester und strenger Ascete; seine Gedanken conzentrirten sich im Plane, das Tridentinerconcil zum Abschlusse zu bringen; er gewann den Papst und durch diesen den Kaiser dafür. B.s Briefe beweisen, mit welchem Eifer er dem Gange der Verhandlungen folgte, wie er alles durchschaute und berechnete und vom ächt reformator. Geiste erfüllt war. Er hatte entscheidenden Einfluß auf das Concil, Antheil an der Herausgabe des röm. Katechismus, an der Revision des Brevieres, Meßbuches und der Vulgata. Sein Wunsch, in seine Diöcese zu kommen, fand nach Pius IV. Tode dauernde Erfüllung. Politische Umwälzungen und Kriege, Unglaube der Vornehmen, Aberglaube des Volkes, ein dem allgemeinen Verderben anheimgefallener Klerus hatten B.s Generalvicare so entmuthigt, daß sie bei ihren strengen Instructionen ihn mit Bitten um Entlassung bestürmten. 1566 begann er selbst die Reform seiner Diöcese durch Abhaltung von Provinzialsynoden, Errichtung von Knabenseminarien. Gründung des helvetischen Collegiums und Reform des Ordenswesens. Die Chorherrn von Maria della Scala, die Franziskaner und namentlich die Humiliaten, von denen einer, Farina, 1569 in der Kirche einen Mordversuch auf B. machte, erlangten durch ihre bis 1570 dauernde entschiedene Widersetzlichkeit gegen jegliche Verbesserung traurige Berühmtheit, dagegen gewährten ihm die Jesuiten. Schulbrüder u. Schulschwestern, Theatiner und Kapuziner, vor allem die zum Weltklerus gehörenden Oblaten Trost und Hoffnung. B.s fleißige Visitationen, die er oft zu Fuß, sein Gepäck tragend, bei Wasser und Brot in den unwirthlichsten Alpengegenden vornahm, verewigten zunächst sein Andenken beim Volke. 1570 veranlaßte er persönlich die Stiftung des »goldenen Bundes« der 7 kath. Schweizerkantone zur Vertheidigung ihres Glaubens, führte auch die Jesuiten in Freiburg und Luzern ein. Großartige Wohlthätigkeit (er widmete sein Einkommen von 30000 Dukaten beinahe ganz der Armuth) zeigte B. namentlich während der Hungersnoth von 1569–70. aufopfernde Menschenliebe besonders 1576 während der Pest in Mailand. Zur Stiftung eines allgemeinen Armenhauses, einer Anstalt für gefallene Mädchen. für Wohlthätigkeit überhaupt, Stiftung verschiedener Bruderschaften, endlich zwei Schriften. darunter die »Erinnerung für das Volk der Stadt und Diöcese Mailand« als Anleitung für alle Stände zu einem christlichen Lebenswandel – zu diesem allem wurde B. durch das einzige Jahr 1576 veranlaßt. An Gegnern fehlte es ihm indessen nicht; er erregte den Argwohn der span. Regierung und 1571 wurde er im eigenen Palast durch span. Truppen bewacht. 1579 durch eine Deputation beim Papste verklagt, weil er Tanzbelustigungen an Gott geweihten Tagen nicht dulde, die Faschingsfreuden abkürze, Kirchen nicht als Durchgangsstraßen benützen lasse, während der Pest in Befugnisse weltlicher Behörden eingegriffen und das Volk an sich gezogen habe, endlich weil er auf den Provinzialsynoden zu streng gegen die Geistlichen verfahre. Gregor XIII. wies die Kläger ab, eine wiederholte Beschwerde wurde 1580 nach strengster Untersuchung mit einer B. völlig freisprechenden Sentenz des Papstes beantwortet. Unerhörte Anstrengungen B.s erzeugten Fieberanfälle und diese brachten ihm bei seinem Grundsatze, daß ein Seelsorger 3 Fieber aushalten müsse, bevor er sich zu Bette lege. 1584 am 3. Nov. einen raschen Tod, nachdem er kaum 46 Jahre gelebt; 1602 wurde er selig, 1610 von Paul V. heilig gesprochen und der 4. Novbr. sein Gedächtnißtag. Gesammtausgabe seiner Schriften Mailand 1747, 5 Fol. Sein Leben beschrieb sein Geheimschreiber Giussano (Mailand 1610), deutsch von Klitsche, Augsburg 1836. 3 Bde.; in neuerer Zeit Prof. Dieringer: Der hl. Karl B. und die Kirchenverbesserung seiner Zeit, Köln 1846.


http://www.zeno.org/Herder-1854.

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